Ambulante Schlafmedizin vor dem Aus

Informationen und Erfahrungsberichte rund um die Schlaflaboruntersuchung.
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Dr. Randelshofer
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Ambulante Schlafmedizin vor dem Aus

Beitrag von Dr. Randelshofer » vor 7 Jahren

Viele sogenannte ambulante Schlaflabor stehen in nächster Zeit vor dem wirtschaftlichen Aus. Warum ist das so?

In Deutschland existiert in der Medizin einen Unterteilung in ambulant und stationär. Ambulante Leistungen werden von niedergelassenen Ärzten erbracht und alle drei Monate mit ihrer jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet. Stationäre Leistungen erbringen Kliniken, die in der Regel direkt mit Krankenkassen abrechnen.

Die Untersuchung im Schlaflabor (Polysomnografie, PSG) ist im Prinzip eine stationäre Leistung. 2005 wurde die PSG zur ambulanten Untersuchung „umgetauft“. Niedergelassene Ärzte und auch Kliniken mit einer sogenannten Ermächtigung können die PSG jetzt ambulant über die Kassenärztliche Vereinigung abrechnen. Die Vergütung hierfür sank in den letzten Jahren von etwa 320 - 360 € auf zuletzt 316 €.

Anfang Juli wurde mitgeteilt, dass ab 01.07.2010 die Vergütung geändert wird: Schlaflabore werden jetzt nicht mehr pro PSG bezahlt, sondern pro „Fall“. Die Vergütung für einen Fall entspricht in jetzt in etwa der einer PSG. Nachdem bei gesetzlichen versicherten Patienten gemäss den Richtlinien eine Einstellung auf Maskentherapie in zwei Nächten erfolgen soll und manchmal dafür auch drei Nächte erforderlich sind, sinkt praktisch die Vergütung um 50 – 66 %.

Schon die bisherige Bezahlung war kaum kostendeckend. Die unangekündigte Senkung der Bezahlung auf die Hälfte bis ein Drittel bedeutet, dass viele ambulante Schlaflabore insolvent werden und ihre Arbeit nicht fortsetzen können.

Außerdem können ab sofort nur noch Pneumologen und HNO-Ärzte die PSG abrechnen. Andere Fachärzte wie z. B. Neurologen, die ein ambulantes Schlaflabor betreiben, haben damit schlagartig sozusagen ein Berufsverbot.

Viele entsprechende Berufsverbände und Interessenvertretungen haben protestiert. Ob diese Proteste erfolgreich sein werden, ist im Moment nicht abzusehen.

Viele Patienten, die bisher durch ein ambulantes Schlaflabor betreut wurden, müssen in Zukunft wohl in ein Schlaflabor mit stationärer Abrechnungsweise wechseln. Das bedeutet die vertrauten Ärzte werden aufgegeben, der Anfahrtsweg ist möglicherweise deutlich weiter und die Wartezeiten werden länger. Problem dabei ist ausserdem, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Untersuchung in stationären Schlaflaboren häufig nicht bezahlen wollen, weil ambulante Schlaflabore meist wesentlich kostengünstiger sind.

Dies ist wieder mal ein erschreckendes Beispiel für die Planwirtschaft in unserer deutschen Medizin. Wie geht es weiter? Wir wissen es nicht. Die Unsicherheit und Angst vor Konkurs ist bei vielen ambulanten Schlaflaboren groß.


Profil von Fritz Wlan
Fritz Wlan
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Re: Ambulante Schlafmedizin vor dem Aus

Beitrag von Fritz Wlan » vor 7 Jahren

Dr. Randelshofer hat geschrieben:Die Vergütung hierfür sank in den letzten Jahren von etwa 320 - 360 € auf zuletzt 316 €.
Weshalb das Labor immer vollgerammelt wird bis möglichst zum letzten Platz und man sich manchmal fragt was das Däumchendrehen soll: gestern hats doch gepasst mit der Einstellung.
Dr. Randelshofer hat geschrieben: Schon die bisherige Bezahlung war kaum kostendeckend. Die unangekündigte Senkung der Bezahlung auf die Hälfte bis ein Drittel bedeutet, dass viele ambulante Schlaflabore insolvent werden und ihre Arbeit nicht fortsetzen können.
Arme Oma die dann 100km zum nächsten Krankenhaus mit dem Taxi oder Enkel fährt weil der liebe Doktor um die Ecke sagt: "Hopp Schwizz", oder "meine Rente *grins* ".
Dr. Randelshofer hat geschrieben: Außerdem können ab sofort nur noch Pneumologen und HNO-Ärzte die PSG abrechnen. Andere Fachärzte wie z. B. Neurologen, die ein ambulantes Schlaflabor betreiben, haben damit schlagartig sozusagen ein Berufsverbot.
Doof das die Auswertung von PSG einen großen Teil Neurologie beinhaltet, Narkolepsie, Parasomnie, Insomnie, Restless Leg Syndrom... sowas ist Arbeit des Neurologen.
Dr. Randelshofer hat geschrieben: Viele Patienten, die bisher durch ein ambulantes Schlaflabor betreut wurden, müssen in Zukunft wohl in ein Schlaflabor mit stationärer Abrechnungsweise wechseln. Das bedeutet die vertrauten Ärzte werden aufgegeben, der Anfahrtsweg ist möglicherweise deutlich weiter und die Wartezeiten werden länger. Problem dabei ist ausserdem, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Untersuchung in stationären Schlaflaboren häufig nicht bezahlen wollen, weil ambulante Schlaflabore meist wesentlich kostengünstiger sind.
Was soll man dazu noch sagen außer mit dem Kopf schütteln? Mir tuten die Menschen leid.


Passt nicht ganz zum Thema aber nicht schlecht:

Um dem bevorstehenden Ärztemangel in Sachsen-Anhalt vorzubeugen vergibt das Land Sachsen-Anhalt und die AOK Stipendien an Studierende der Humanmedizin im 4.-6. Ausbildungsjahr (4. 300€, 5. 500€, 6. 700€ pro Monat) wenn sie sich verpflichten dafür nach der Ausbildung in einem, sagen wir unattraktiven, Gebiet des Landes eine Arztpraxis für mindestens 24/36 Monate, je nach Förderungsdauer, zu übernehmen.
Hintergrund, von 400 Absolventen registrieren sich nur 320 bei den KVen und 50 verlassen diese binnen der ersten 2 Jahre wieder. 2020 werden 50-60% der jetzt praktizierenden Ärzte in Rente gehen. Die Ausbildungsplätze an den Unis reichen aus um 120% des Bedarfs zu decken, leider verlieren wir 40% an das Ausland und andere Berufe und zudem gibt es eine extreme Ungleichverteilung zwischen lukrativen und unlukrativen Gebieten.
Messassistent Schlaflabor (Pneumologie) Erlangen

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Re: Ambulante Schlafmedizin vor dem Aus

Beitrag von Wassermann » vor 7 Jahren

Eine angehende Altenpflegerin, die für ihre Ausbildung von nirgendwo Unterstützung bekam, hat mal gesagt: "Hoffentlich brauchen die (Politiker) uns nicht auch mal"
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Re: Ambulante Schlafmedizin vor dem Aus

Beitrag von Gitte2015 » vor 2 Jahren

Anfang Juli wurde mitgeteilt, dass ab 01.07.2010 die Vergütung geändert wird: Schlaflabore werden jetzt nicht mehr pro PSG bezahlt, sondern pro „Fall“. Die Vergütung für einen Fall entspricht in jetzt in etwa der einer PSG
Wenn also pro Fall die Vergütung schon verdient ist, dann führt das doch dazu, dass die Zahl der Nächte in einem Schlaflabor deutlich reduziert wird oder irre ich mich?

Das würde mir einiges erklären...


lg
Gitte


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Re: Ambulante Schlafmedizin vor dem Aus

Beitrag von Polli » vor 2 Jahren

Mehr Menschen in weniger SLs.
Mehr Menschen beim Anstehen für eine PSG.

Und die Kassen machen schon ein paar Jahre Profite.
Und unsere Politik fördert das alles, bzw. duldet alles.

Können die Patienten etwas tun? Petitionen?

Wird Krozingen sich halten können?

Nehmen Sie Privatpatienten?
Herzliche Grüße von Polli

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Re: Ambulante Schlafmedizin vor dem Aus

Beitrag von anlo007 » vor 2 Jahren

Hallo,

der ursprüngliche Beitrag ist jetzt 5 Jahre alt, wie hat sich das weiter entwickelt?
viele Grüße vom Niederrhein

Andreas

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Re: Ambulante Schlafmedizin vor dem Aus

Beitrag von Polli » vor 2 Jahren

Oh Mannnnn. :crazy:

Jetzt gehe ich freiwillig auf den Baum. Ich hab nicht drauf geachtet.
Herzliche Grüße von Polli


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anlo007
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Re: Ambulante Schlafmedizin vor dem Aus

Beitrag von anlo007 » vor 2 Jahren

Ich gebe dir auch ein paar Bananen ab....
:hallo:
viele Grüße vom Niederrhein

Andreas

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Dr. Randelshofer
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Re: Ambulante Schlafmedizin vor dem Aus

Beitrag von Dr. Randelshofer » vor 2 Jahren

Wie gesagt, das Thema ist einige Jahre alt. Damals mussten leider einige SL schliessen. Hier in Baden-Württemberg hatten wir (bisher) das Glück, dass die bisherige Regelung beibehalten wurde.

Wir untersuchen also weiterhin gesetzlich und privat versicherte Patienten.

Grüsse

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Re: Ambulante Schlafmedizin vor dem Aus

Beitrag von Martine » vor 2 Jahren

Au weia, ich habs auch nicht gemerkt, dass der Beitrag 5 Jahre her ist.
Ich wollt schon fast bei meinem Schlaflabor anrufen, ob sie davon betroffen sind. :oops:

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Floh
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Re: Ambulante Schlafmedizin vor dem Aus

Beitrag von Floh » vor 2 Jahren

Asklepios baut in HH sogar eine neue, größere Station mit SL
Ist aber auch überfällig, denn die derzeitige Kaserne aus den Dreißigern ist nicht wirklich hierfür ausgelegt, ganz zu schweigen von dem Ambiente.

Von mir gab es halbwegs vernünftige Kohle, deshalb habe ich vielleicht auch so schnell einen Termin bekommen?

Während vor Justitia jeder Mensch gleich sein soll (klappt ja auch weitestgehend), sind wir es vor dem Caduceus schon lange nicht mehr.

Das ist schon sehr peinlich für unsere Gesellschaft.

Beste Grüße
Floh

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