Mandelentfernung mit Risikofaktoren - würdet ihr es machen?

Operationsverfahren gegen Schnarchen und Schlafapnoe Beschwerden. Verschiedene Therapieverfahren und ihre Risiken.
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Mandelentfernung mit Risikofaktoren - würdet ihr es machen?

Beitrag von HP_online » vor 3 Monaten

Hallo zusammen,

ich stehe vor der Entscheidung, ggf. meine Mandeln entfernen zu lassen. Hintergrund sind hier jedoch in erster Linie chronisch rezidivierende Infekte mit Streptokokken, es ist also stets eine Behandlung mit Antibiotika-Gabe notwenig. Ca. alle 6 Wochen habe ich das.

Gleichzeitig bin ich ja seit einem Jahr als nächtlicher Jet-Pilot unterwegs, habe eine Bi-Level-Therapie aufgrund vormals AHI 37.

Die Mandeln sind riesig... alleine deswegen besteht hier ein doppelter Nutzen, dass sich meine Apnoen durch diesen Eingriff vielleicht reduzieren und gleichzeitig dieser Dauerinfekt-Herd entfernt wird.

Leider ist das aber noch nicht alles, leide ich auch noch an einer Blutgerinnungsstörung - dem "Von-Willebrand-Syndrom, Typ 1". Für die OP bekommt man eine funktionierende Gerinnung mit einer Prophylaxe-Behandlung aus Tranexamsäure und Minirin hin. Hält aber nur für Stunden an und erhöht kurzfristig das Thromboserisiko - ist aber okay.

Die Zeit nach der OP macht mir aber Kopfschmerzen. Bei einer möglichen Nachblutung gibt es ja nur noch Notfallmassnahmen und so wie ich verstanden habe, kann ich mein Atem- Therapie-Gerät die ersten Tage auch nicht benutzen. Wie bekommt man in der Zeit genügend Sauerstoff? Das ist für die Wundheilung wahsinnig wichtig, weiß wovon ich als negativ Betroffener spreche!

Hat jemand von euch eine ähnliche Ausgangslage und stand vor ähnlichen Problemen? Bin sehr interessiert, wie ihr das Risiko für euch bewertet habt.

LG HP


P.S: Die Alternative zur OP sind Antibiotika-Einnahmen bei jedem erneuten Infekt.


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Eisenhut
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Re: Mandelentfernung mit Risikofaktoren - würdet ihr es machen?

Beitrag von Eisenhut » vor 3 Monaten

> würdet ihr es machen? < ist eine schließende Frage: Ja oder nein. Schwer zu beantworten. Meine Antwort hieße: Jein.

> Wie < würdet ihr es machen?

Ich würde abwägen. Antibiotika alle sechs Wochen? Da hat die Darmflora, welche ja auch für das Immunsystem
zuständig ist, überhaupt keine Zeit mehr sich zu erholen. Und bei anderen Kränken spricht plötzlich nichts mehr
an: Resistent!
Homöopatisches kann sicher bei Kleinkindern versucht werden, aber kaum bei Menschen mit deinem Leidensweg.
Ein Teufelskreis......

Es sollte doch für deine Ärzte machbar sein, einen "was ist zu tun, wenn dies oder dass passiert" Plan zu erstellen.
Bei einer Studie ( Quelle) ist das Nachblutungsrisiko von 4,52% zu 18,1% bei Gerinnungsstörungen erhöht.

Als Mensch, der in der allerersten Reihe stand und laut hier schrie, als der liebe Gott die S......e verteilte, weiß ich auch
um die Nachblutungen nach solch einem Eingriff. Diese kamen am Morgen des neunten postoperativen Tages, 36 Stunden
nach meiner Entlassung aus der Klinik (März/April 2012).

In deinem Fall denke /glaube ich, das bei einer OP ein längerer (als normal) stationärer Aufenthalt sinnvoll sein wird.
Und........
-- ein paar Tage Verzicht auf dein Pustefix? :wtf: Bei mir waren es wegen der schwierigen Wundheilung einige Wochen...
und etliche Mengen an Kamillentee (zum Gurgeln).
-- in You Tube finden sich einige nette Filmchen zur Zeit nach der OP, Schmerzen von 8 in der Scala von 0-10 :surprised:
das Dumme ist .... es stimmt.

In diesem Sinne beste Grüße
Erstmals angemeldet im Forum am 21.08.2005 - 13:11 Uhr

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Re: Mandelentfernung mit Risikofaktoren - würdet ihr es machen?

Beitrag von HP_online » vor 3 Monaten

Hallo Eisenhut,

Danke für deine ehrliche Einschätzung.

Für mich ist in der Tat wichtig, dass mir das Vorgespräch (heute) ein bestimmtes Gefühl vermittelt, so dass man sich darauf einlassen kann. Bestenfalls gibt es einen "Plan", an dem man sich grob abarbeiten kann - Notfall mal ausgeschlossen.

Mal sehen wie ich mich entscheide und

viele Grüße

HP

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Re: Mandelentfernung mit Risikofaktoren - würdet ihr es machen?

Beitrag von HP_online » vor 3 Monaten

Hallo zusammen!

Ich wollte euch nur einmal kurz das Feedback geben, dass mir die Entscheidung zu dieser OP abgenommen wurde.

Bei der vorstationären Aufnahme wurde ich durch den Ltd. Oberarzt abgelehnt. Die Vor-Anamnese und meine bereits durchlebten OP-Komplikationen in vorherigen Eingriffen gaben den Ausschlag dafür. Das Risiko der Nachblutung ist ihm eindeutig zu hoch.

Ich solle mich an Universitätskliniken wenden, die über noch mehr Know-How bei dieser Art von Eingriffen und Möglichkeiten in der Notfallmedizin verfügen (z.B.: Eppendorf, MHH..)... habe auber auch ganz klar heraus gehört, dass er das in meiner Lage von niemandem machen lassen würde.

So mache ich das jetzt auch, schlucke weiter bis zum St. Nimmerleinstag meine AB.

Frohes Schnorcheln
und LG HP


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Re: Mandelentfernung mit Risikofaktoren - würdet ihr es machen?

Beitrag von Herr Blümchen » vor 3 Monaten

Hallo HP_online,

eine kurze Info am Rande, da sich Deine Situation wirklich sehr schwer anhört:

Es gibt auch die Möglichkeit einer Tonsillotomie bei der die Mandeln nicht vollständig entfernt werden, sondern nur mittels Laser stark verkleinert werden. 2 Vorteile:
1. es gibt wesentlich weniger Nachblutungen
2. die Restmandel kann noch weiterhin die Immunabwehrfunktionen erhalten.

Grundsätzlich verstehe ich nicht, warum keine Atemtherapie möglich sein sollte. Klar ist das Risiko erhöht aber das führt erst einmal nur dazu, dass Du sehr genau überwacht werden solltest. Bei der Operation muss versucht werden, so wenig Gewebe als möglich zu verletzen. Je stärker die Blutung mittels HF-Chirurgie (Strom zum veröden der Gefäße) genutzt wird, desto größer ist das Gebiet in dem sich ein "Wundschorf" bildet. Wenn sich dies dann in den ersten Tagen nach der OP löst, kann es zu Blutungen kommen.

Bei einer Tonsillektomie wird sehr nah an großen Gefäßen operiert (Arteria carotis). sollte diese Arterie verletzt werden, kommt es zu starken Blutungen. Bei einer Tonsillotomie ist die weitestgehend ausgeschlossen, weil quasi ein Teil der Mandel abgetrennt wird. Das heißt die Mandel bleibt in der "Loge" unbeschädigt. Außerdem kann das "Mandelgewebe" nicht so stark bluten.

Also ich würde hier wirklich noch einmal eine weitere Meinung aus der Uni-Klinik empfehlen.

Alles Gute und gute Besserung!!!!
Herr Blümchen

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Re: Mandelentfernung mit Risikofaktoren - würdet ihr es machen?

Beitrag von Mesirg » vor 3 Monaten

Bei mir wurde nur ein Teil der Mandeln entfernt.

Und sagen wir mal so... wenig Blut ist da nicht und dein Hals ist dann auch noch eine ganze Weile extrem gereizt. Bei mir war parallel dazu noch die Nasenop deswegen konnte ich das Gerät sowieso schon nicht nutzen. Aber selbst als da wieder alles so weit war konnte ich das Gerät noch nicht nutzen, da ich nach kurzer Zeit Schmerzen hatte und dann lieber wieder ohne geschlafen habe bis alles abgeheilt war.

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Re: Mandelentfernung mit Risikofaktoren - würdet ihr es machen?

Beitrag von HP_online » vor 3 Monaten

Hallo Herr Blümchen,

Danke für die netten Wünsche und Worte.

Die Tonsillotomie ist auch thematisiert worden, richtig...hilft bei meinem Krankheitsbild leider nicht in ausreichendem Maße weiter, denn es würde die Ursache meiner Infekte wahrscheinlich nicht hinreichend beseitigen.

Gleichzeitig bleibt das Nachblutungsrisiko aufgrund meiner Neigung grundsätzlich relativ hoch, auch wenn nicht so sehr arteriennah operiert wird.

Die Atemtherapie ist ja eine druckinvasive Maßnahme - die Wundheilung würde dadurch sehr stark beeinträchtig werden und es wäre auch aus dem Schmerzempfinden heraus kaum tolerabel. Alle Ärzte mit denen ich gesprochen habe, bestätigen das... Atemtherapie MUSS ausgesetzt werden.

Auch "Mesirg" bestätigt das hier...

Trotzdem, ich spreche noch einmal bei den Unikliniken vor und hoffe auf Ideen bzw. erprobtem Verfahren abseits der ICD-Leitlinien.

Beste Grüße

HP


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Re: Mandelentfernung mit Risikofaktoren - würdet ihr es machen?

Beitrag von Gitte2015 » vor 3 Monaten

Hallo HP,

ich habe auch das von Willebrand-Syndrom in leichter Form.
Typ 1, was Du hast, ist die schwächste Form von 3 Typ-Arten.

Meine Mandeln sind noch drin.
Aber ich wurde in meinem Leben einige Mal operiert und habe dies alles ohne Minirin überstanden.
Minirin ist auch nicht ohne, denn das Thromboserisiko steigt damit wohl.

Mir wurde von einem Experten, der zwischenzeitlich im Ruhestand ist, vor ca. 15 Jahren gesagt, dass das von Willebrand-Syndrom mit zunehmendem Alter nachlässt.
Und er hat Recht: Vor 15 Jahren noch blutete ich ungeheuer oft. Nasenbluten hatte ich eine Zeitlang mehrmals pro Woche. Meine Werte lagen damals auch öfters unter 30 %.
In den letzten 2 Jahren wurden meine Werte öfters überprüft und ich lag jedes Mal im Normbereich (im unteren Normbereich zwar öfters, aber immerhin). Das von Willebrand-Syndrom hat sich bei mir in den letzten 15 Jahren also gebessert.

Wie alt bist Du, wenn ich fragen darf?
Wurden Deine Werte aktuell überprüft und waren sie arg auffällig?
Kennst Du sie?
Vielleicht hat sich bei Dir auch schon etwas gebessert, wenn Du nicht mehr gerade 30 Jahre alt sein solltest?

Noch ein Hinweis:
Das von Willebrand-Syndrom ist die häufigste Gerinnungsstörung. Ich bin sicher, dass gerade der Typ 1 dann sehr häufig ist und viele, die das haben, es nicht mal wissen und dennoch operiert werden (und es überlebt haben).
Natürlich ist es besser, man weiß es vorher und kann sich dann darauf einrichten. Aber vielleicht klappt es bei Dir auch ohne Komplikationen`?


Herr Blümchen schrieb
Es gibt auch die Möglichkeit einer Tonsillotomie bei der die Mandeln nicht vollständig entfernt werden, sondern nur mittels Laser stark verkleinert werden. 2 Vorteile:
1. es gibt wesentlich weniger Nachblutungen
2. die Restmandel kann noch weiterhin die Immunabwehrfunktionen erhalten.
Diese Op würde ich vorziehen, wenn ich es machen lassen würde.
Ich würde mir eine Zweitmeinung einholen zu der Frage, ob das in Deinem Fall nicht doch Sinn machen kann. Wenn die Mandeln kleiner sind, ist das Problem mit den Keimen vielleicht auch weg.
Setzen sich die Keime nicht in die bei großen Mandeln sicher vorhandenen Nischen/Zerklüftungen rein? Wenn diese Nischen dann weg sind und die Mandeln an der Oberfläche glatt sind, könnte das doch auch zu einer Besserung führen?




Gruß
Gitte

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Re: Mandelentfernung mit Risikofaktoren - würdet ihr es machen?

Beitrag von HP_online » vor 2 Monaten

Hallo Gitte,

sorry für die verspätete Antwort... was soll ich sagen... Mandeln... möchte jetzt aber gerne noch antworten.

Leider ist mein von Willebrand Typ I erst vor drei Jahren entdeckt worden...bei einer Bagatell-OP, in dessen Folge ich aufgrund des Von-Willebrand fast verblutet wäre...ausserdem Wundheilungsstörungen (Fibrosen, Phlegmone, Nekrosen) etc... das volle Programm. Mein Wert schwankt, ist grenzwertig und ich muss immer mit schwierigen Bedingungen rechnen. Der Einsatz von Minirin Prä-OP ist klar, Tranexamsäure Prä- und Post-OP auch, alles bekannt und schon angewandt worden bei weniger risikoreichen Eingriffen. Aber keiner traut sich da jetzt mehr ran, nachdem OSAS bei mir diagnostiziert wurde, meine Vorgeschichte so ungünstig ist, und auch klar ist, dass der Verzicht auf die Maskenatmung die Wundheilung nachhaltig stören würde.

Aus Vorgesprächen habe ich mitgenommen, dass die Tonsillotomie bei mir ausgeschlossen ist, da dieses Verfahren bei meiner Ausgangslage die Infekt-Herde nicht hinreichend sicher beseitigen würde und trotzdem ein (etwas geringeres) OP-Risiko besteht. Das wäre ein Witz, wenn ich dann nochmal zur Tonsillektomie ran müsste...hätte mir das Vorgeplänkel dann sparen können.

Trotzdem, Danke nochmals für die Ideen.

Ein Termin in der MHH ist für den 23.10 vereinbart. Mal sehen, was die sagen.

GLG HP

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